Samstag, 18. Dezember 2010

3. Woche: Das Große Nichts. ... War da noch was anderes? ... achja. "Mein Name ist Emu", schweißtreibende Nächte, JingleBells bei 36°, Spatzenmörder und: The Smile on my face is back!:-)

(Kurz nach Mitternacht. Es ist nun bereits der 19.12., also Sonntag. Kein Ingwerbier mehr da, die Wäsche ist fast trocken, der Ventilator knarzt, aber jaa nich ausschalten! Das sind hier Bedingungen wie in Thailand. Sobald die Klima-Anlage aus ist, fängts an zu laufen! Und damit sind weißgottnich die Mini-Ameisen gemeint....Achja. Befinde mich gerade in meiner "Outback-Survival-Belohnung", einem schnöden Motelzimmer in Townsville, also @ THE END. Aircondition/Dusche/Internet und ein richtiges Bett: DAS ist mein verfrühtes Weihnachtsgeschenk an mich selbst.)

Ok. Weiter:

Statistik der Woche:
Es war, um das mal vorwegzunehmen Die Woche der REKORDE!!!
4090 km in 100 Stunden
3 states innerhalb 48h (SouthAustralia-NorthernTerritory-Queensland)
den Tagesstreckenrekord von 959km
9x innerhalb von 72h getankt
insgesamt 605 AUD an der Tanke gelassen und einen Rekordbenzinpreis von 1,81 AUD/Liter bezahlt
473 km Nonstop gefahren (ohne Pinkelpause garnix)
2 Polizeikontrollen innerhalb 24h!!!! (nicht einmal musste ich in den letzten 11 Jahren Pusten! Und hier gleich 2x....Pingelig!!!)
600ml in 3 min runtergeschüttet
Höchsttemperaturen von 36-37° (gefühlt waren es 45°)
Höchststufe an Ödnis auf der Strasse erlebt
20 meist ausgebrannte Autowracks (anstelle von Känguruhzählen! weil die gabs ja nich!!)

geschossene Pix: 229 (angesichts der Eventlosigkeit doch ne Menge!)
Duschen: 1 (auch hier wieder nur das Minimum erreicht. Obwohl hier jede Stunde eine dringend nötig gewesen wäre...!!!!!)
gefundene Steckdosen: 1-2 gesehn, keine genutzt, musste doch weiter, keine Zeit verlieren.
Loneliness-Grad: eigentlich ne 2 (trotz relativer "Menschenleere" + der Abstinenz jeglicher Ablenkungstechniken war ich stets ein sehr guter Selbst-Entertainer, muss ich zugeben! Zudem habe ich schließlich dadurch auch wieder zu mir gefunden!! Und zu meiner inneren Stärke, was der größte Pluspunkt dieses Trips ist!)
gelernte Lektionen: 4 + die sogenannte "Rückspiegeltheorie" (die besagt, dass es meist im Rückspiegel wettertechnisch besser aussieht als der Blick nach vorn suggeriert. Hat sich konsequent an 2 Tagen hintereinander bestätigt, danach hats dann doch nicht mehr hingehauen. Das ist noch lange kein Zeichen für ne Falsifikation meiner Theorie!!!)
real Wildlife: 1 Definitiv-aber-leider-tot-Känguruh (anstelle dessen wiegesagt das Autowrackzählen), 1 Doppelregenbogen in Coober Pedy (der sich jedoch weigerte von meiner Kamera überhaupt wahrgenommen zu werden!!), ein "Emu", Mio Ameisen (die mich in den Wahnsinn trieben), unzähligen Echsen on the road
OPFER von mir/BM: 1 Spatz, evtl. eine Taube (ist nich ganz rausgekommen ob ja oder nein), eine Heuschrecke + wahrschl. mehreres Insektenzeugs (wovon nur noch die Matsch-Kadaverspuren an BM als Indizien herhalten), der Rest ist Schweigen....
Tops des Tages: 6 kleine (u.a. der Paule, Ginger, the Riple + die Devils. hmm. könnten alles Bandnamen sein, wenn ich mir das so angucke grade....:-) + 3 große (davon einmal "Psst!", mein jetziges "Traummotelzimmer", aus dem ich mich aber gerade, uups, selbst ausgesperrt hatte und leider um 1:30 nachts den Rezeptionstypen rausklingeln musste....!aargh! Passt aber zu mir! In solchen Dingen bin ich wenigstens konsequent!!! + schließlich mein "inneres" Lächln heut morgen! Das hat sich nach 4,5 Outbacktagen + 3 Wochen Australien-"Rumgequäle" wieder herausgekämpft!! TOP!)
Flops des Tages: auch hier wieder 0! Dafür...
Unbelievabes: 3! (die 1. Polizeikontrolle, mein stundenlanges Konsequent-110kmh-Halten-Können, mein heutiger Gute-Laune-Morgen: In letzter Zeit sehr selten geworden!)
Herzinfarkt-Anwärter: Es war auf den letzten 50km. Ich: "übermüde" vom EndlosFahren. Ich sag nur: Überholen kurz vor einer flimmernden Kurve? Keine gute Idee. = Lektion N°14!

Tour: 14.-18.12.
Port Augusta - Stuart Hwy/A87: Coober Pedy - Uluru/AyersRock - AliceSprings - Simpsons Gap - WycliffeWell (aka DAS Ufo-Zentrum ganz Australiens!) - Devils Marbles - Tennant Creek - A66/Barkly Hwy: RICHTUNG MEEHR!:-) Mount Isa - Richmond - THE END: Townsville

Tja. Was soll ich zu dieser Marathonstrecke noch sagen????...
Wie bereits erwähnt: Die beste Entscheidung, die ich treffen konnte! Der "Effekt" kam zwar erst heute, am letzten Tag. Aber ich könnte jetzt nach Hause fliegen, und wäre wieder eins mit mir! Nicht nur äußerlich haben mich die letzten 100 Stunden geprägt (besonders mein rechter "Auto-Arm" hat deutlich an Farbe zugelegt), vorallem innerlich ist meine Unruhe verschwunden. So far, als kleines Outback-Resümee:
> BACK TO THE BASIC(s)! Wir schleppen doch soviel unnützn Krempl mit uns rum im täglichen Leben. All der Technikkram, der uns ablenkt. All die "Besitztümer", wo wir glauben, wir würden weinen, wenn wir sie nicht mehr hätten. All das Nebenbei, das den Kopf so sehr zumüllt, dass der Blick nicht geradeaus, sondern zu oft zurück oder verquer geht - manchmal mit Bedauern um Gewesenes, manchmal mit Furcht vor Unkontrollierbar-Zukünftigem - . Ok. Ecki hat hier auch ein wenig seine Spuren hinterlassen, aber ich bin noch nicht weit gekommen in dem Buch (wens interessiert: Eckhart Tolle "Eine neue Erde"). Vielmehr war ich bereits schon soweit, hatte es nur irgendwie wieder vergessen...tsts!
> Kopf ist freigepustet von jeglichem Ballast.
> Der Blick: straight FORWARD!
> (Ab)Gehärtet, der Wille. Abgehärtet vom "Stimmenkampf" im Kopf. Dieses kleine fiese Spielchen da oben...
> GELASSEN!
> Das Ur-Vertrauen in mich selbst ist zurück! (Ich überlebte das NICHTS!!!)
> Und: Meine innere POWER ist wieder da! (Sozusagen die Konsequenz aus allen anderen Faktoren.)
>> Ich habe nun alles VOR mir. Und nix hinter mir!!!

Ok. Und was war nun dazwischen?...
... Ich startete mit 30 Litern Wasser (Goldfish sollte ja nicht ganz auf dem Trockenen schwimmen!), einem vollen 10l-Reservekanister, frischgeputzen Scheiben, geprüften Reifendruck, einigem Unbehagen angesichts des großen Fragezeichens da in der Mitte dieses Kontinents, LM immer an der "Leine" (= Schlüsselbund, damit er mir nich noch ausbüxt ins unbekannte Weite), und... einem nicht voll aufgeladenen Mp3-Player (dieser Fakt sollte sich nach dem 1. Fluchen später als "heilsam" - kopfmäßig - erweisen!). Nach 30km kein Handynetz mehr, nach 50km Radio aus. Nur noch Geradeausfahren, das monotone Pfeifen des Windes, Monotonie auch links+rechts der Strasse: Weder großartige Tieranzeichen noch erwähnenswerte Änderung der stumpfen Vegetationreste. Keine Technik. Kein Entertainment. Kein Geplärre. Kein Stop-hier, irgendwas-dort. Absolut keine Ablenkung! Nur: Vorwärts. Die Strasse. Wolken. Wind. Grelles Licht. Flimmernde Hitze. Und ich. Der Blick schnurgeradeaus. Volle Konzentration! (Es könnten ja die "bösen" nicht-vorhandenen Tierchen des Nachts große Steine auf die Strasse geschmissen haben, oder diese gar metertief aufgefressen haben, oder ...die Bullen könnten plötzlich mit der Kelle auf der Strasse rumtanzen (etwa so kurz vor AyersRock, wo du doch unbedingt noch den Sonnenuntergang erwischen willst, und dann kommen die mit ihrem Scheiß!!!...) und dich 4fach durchchecken wollen: Speed-Papiere-Alkohol-Fahrzeug. Dann gibts nen Anraunzer wegen zugeringem Reifenprofil ("Its not legal!!!" "Ok. Officer!" - Immer mit der Ruhe. Ich muss jetz aber dringend weiter, die Sonne....), und dann steh ich doch vor IHM: Dem großen roten Felsen. Wo ich eigentlich nicht hin wollte, und nun doch....:-) Bin erstaunt, wie nah man an ihn "ran darf" (man könnte ihn sogar besteigen, nur an diesem Tag gesperrt, obwohl die Einheimischen bzw. eig. "Besitzer" absolut dagegen sind!). Dieses Postkarten-Übernatürlich-Rot, das ist eigentl. ein Trugschluss. Vielleicht morgens, bei Sonnenaufgang... aber er hat eine sehr "spannende" Käseloch-artige Oberfläche und ist wieder so....organisch! (Was ich bereits bei den RemarkableRocks auf KangarooIsland gedacht habe. Es scheint so einiges in Australien aus der Erde "gewachsen" zu sein, scheint jedenfalls so!).
Ja, und dann steht "Hallo. Mein Name ist Emu" am nächsten Morgen vor mir, bepickt neugierig BigM und glotzt mich leicht komisch an. Für seine Unattraktivität kann das Kerlchen ja eigentl. nix...
Die Hitze in AliceSprings lässt mich augenblicklich zurück ins Auto springen, Simpsons Gap (eine bezaubernde aber sehr ausgetrocknete Schlucht mit einsamen Vogelschrei + roten Libellen auf den restlichen Wassertümpeln) nehm ich schnell noch mit, doch: ES IST VIEL ZU HEISS ZUM ANHALTEN! Beim Fahren kühlt wenigstens der Wind ein bißchen... Nun befinde ich mich im tiefsten Aborigines-Land, und obwohl ich ihnen wohl ziemlich Unrecht tue mit meinen Gedanken: Aber ... sie haben etwas Unheimliches an sich! Ob sie nun am Strassenrand stehen und interessiert?-penetrant gucken, oder zerlumpt "wie Hunde" unter einem Baum im Nirgendwo sitzen...ich glaub, sie sind eigentlich ziemlich arm dran. Wenn man bedenkt welches "weiße"-westliche cleane Bild im Prinzip von Australien medial in die Welt ausgestrahlt wird. ...Ich würde gern wissen, was in ihrem Kopf so vor sich geht!..Aber mein Unbehagen bleibt irgendwie immer wenn ich sie sehe.
@ km 2084 muss leider ein armes Spatzenwesen dran glauben (BM wars! Nicht ich!), campe bei den DevilsMarbles (der beste Platz bisher, auch wenn die Mücken hier jede Outdoorfreude zunichte machen!), verbringe die im wahrsten Sinne des Wortes "schweißtreibenste" Nacht meines Lebens (hier hätte ich echt den kleinen Pakistani-Wedel-Boy gebrauchen können, weil kann ja nich wedeln+schlafen gleichzeitig! Meine Blase meldete mir den nächsten Morgen jedenfalls, dass ich extrem viel Flüssigkeit verloren haben muss die Nacht....!?!). Während den teilweise Nonstop-Fahrten wird das Roadtrain-Überholen zum einzigen Highlight des Tages (ok. Die Dinger sind aber auch so 45m lang! Aber wenn alle 30-40km mal was entgegen kommt....), pupslangweilige aber-weil-einzige-Radiosendung-Cricketübertragung wird redlich "genossen", verbringe Gedankengänge damit, herauszufinden, welchen Meterabstand die Leitpfosten am Strassenrand nun wohl anzeigen (Sind es nun wirklich 200m? Nee. Nach 30km stimmt diese Berechnung nicht mehr, jetzt sinds doch schon 350, ach nee, 400m! Was denn nu?). Heuschreckenbeine kleben ab+an auch mal vor dem Sichtfeld (Ok. Alles klar.), ich rätsel über aktuelle und vergangene evtl. "falsch" gelebte Uhrzeiten (angesichts 3 verschiedener Zeitzonen hier + dem geringfügigen Gehirnspeicher von Goldfish kann da schonmal was durcheinander geraten...!).
Jedenfalls handel ich mir auf den letzten 130km Richtung Meehr noch nen fetten Steinschlag auf der Windschutzscheibe ein, komme hier triefend an, und...nix mehr. Schluss für heute. Kommunikations-Mitteilungsfähigkeit am Ende. Ausgeschöpft.
Nacht. (04.30)

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