Hart.Ultra-Unbequem.Kratzig.Schroff.Winter's Bone ist keine Einladung zur Gemütlichkeit.
"Hier's 'n Joint für unterwegs."So macht sie sich auf den Weg.Auf die Suche nach ihrem Vater,der sie -die 17jährige Ree Dolly- samt ihrer zwei kleineren Geschwister und der hochdepressiven Mutter hat sitzen lassen.Ein Dreckskerl ohnegleichen.Denn:Wie sie so gerade über die Runden kommen in ihrer dürftigen Holzhütte irgendwo da draussen im amerikanischen Outback,da gerät von einer Sekunde auf die nächste plötzlich die bereits windschiefe Existenz völlig aus der Bahn.Hochverschuldet hat der Phantomvater aka hundsdreckiger Chrystaldealer mal eben das gesamte Haus verpfändet:Der Boden unter den Füssen scheint wortwörtlich entrissen zu werden.Aber Ree,das eigentliche Familienoberhaupt,kämpft.Kämpft gegen Hunger,die karge wortlos-widrige Umgebung,gegen all die feindlichen Blicke um sie.Kämpft gegen das,was es heisst,eine Dolly zu sein (der Familienname scheint dunkle Geheimnisse seit Urzeiten in sich zu tragen).Ein Kampf,der bereits von der ersten Sekunde an den Hauch von "Leben oder Tod" versprüht.Und so nimmt die Halberwachsene es trotzig auf mit den übelst dreinblickenden Typen der Filmgeschichte.Respekt!
Nix Gelecktes.Kein Schönwetter-Reigen.Schrotflinten-Schiessübungen für 7jährige.Gebratenes Eichhörnchen.DAS ist Survival im amerikanischen Nirgendwo.
Dazu passt die schweigsam-verschworene Dunkeltyp-Gemeinde,die Ree auf ihrer Suche immer wieder hart abprallen lässt.Kein Wort.Kein Augenzucken.Null Empathie.Wer möchte da nicht liebend gern eigentlich die Flucht ergreifen??!!!So jedoch nicht Ree.Immer weiter.Immer wieder die selben Fragen.Bohren.Dranbleiben.Auch wenns weh tut.Auch wenn sie dafür Schläge kassiert.Sie muss.Denn sie hat keine Wahl.
Das Finale:Ein nüchtern ausgeführtes MotorsägenWasserleichenGemetzel.Und die Erkenntnis:Die Frauen sinds mal wieder,die die Drecksarbeit machen!
Zurück bleibt ein Ölfleck auf der trüben Wasseroberfläche."Ich bin ne Dolly,sagt ich doch schon."So einfach ist es.
Fazit:Der Film macht hundertprozentig depressiv.Und zeitgleich haut es einen die Willensstärke dieses Mädchens tausendfach um die Ohren.Kein Haudrauf-Irgendwas.Wortlos-trüb fischt der Zuschauer im Grauschleier des kalten Waldes.Die SchönerWohnen/-Leben-Anzeigen,die gibts woanders.
Einsam im Wald I
Und weil es gerade so schön existenziell war,das Eisig-Rauhe gleich nochmal um weitere 200 Prozent verdoppelt:Essential Killing kann nicht anders als nachhaltig zu verstören.Und zum sofortigen Aufbruch in den polnischen Winterwald zu animieren.
Wald.Schon wieder.Ein bitterkalter.Ein unbarmherziger,der nichts anderes als die simple Rechnung "Töte zuerst,ansonsten stirbst du!" zulässt.Menschenabweisend,und doch frostig-schön.Eine Treibjagd durch Polens Märchenwinter.Falleisen inklusive.Da wird alles verspeist,was der Getriebene irgendwie habhaft werden kann:Ameisen,Baumrinde,Vogelbeeren (inklusive nachfolgendem Sinnesrausch),roher Fisch,und...Muttermilch!Einer sturzbetrunkenen polnischen Bäuerin buchstäblich aus der Brust entrissen.
Grenzen.Einsamkeit.Härte.Ein Weg.Durch ein Meehr aus Eiskristallen.Und dann... der Tod.
Eindringlich.Körperlich.Kompromisslos.
Mehr Fazit ist nicht.
Einsam im Wald II
Nach all dem Existenziellen musste dann doch noch was "Klassisch-Seichtes" zur Erholung her.Mit Point Break/Gefährliche Brandung kam nun DER Surffilm schlechthin auf DVD raus.Wild.Ungezügelt.Und oberkool 90er.
"Zeit für Rock 'n Roll!" Zeit für Endless-Californian-Summer.Zeit für die Suche nach DER Welle.Und der Moment für die Ex-Präsidenten.Eine Bank nach der andern.Ein Adrenalin-Thrill nach dem andern.Faustkämpfe und FreeSpirit unter kalifornischer Sonne:"Wenn du alles haben willst,musst du auch bereit sein,alles zu geben."Nachtsurfen-Fallschirmspringen-Bankraube.Mehr Kick geht nicht.Mehr "Sex mit den Göttern" auch nicht.
Selbst der 'spezielle' Chic der AnfangNeunziger kann dem stürmischen Haudrauf-Jungblut-Keanu und seinem Konterpart Bodhi (aka Patrick Swayze) nichts anhaben.Rebellentum vom Feinsten.Gegen "das System".Gegen Surfrivalen.Und gegen den unausweichlichen Lauf der Dinge.Denn am Ende geht es,wie sollte es auch anders sein,um DIE eine Welle.Nicht mehr und nicht weniger.So simpel kann 'Leben' sein.
Und so kommt der finale katharsische Untergang im meterhohen Sturm nicht überraschend.
Beruhigend stelle ich fest:Ohne solche Oldschool-SturmUndDrang-Filme wäre meine kleine Filmwelt um einiges Herzblut ärmer:-)))
ps.Bilder filmstarts.de entnommen.



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