Samstag, 29. April 2017

Hoan, ich stecke fest! Wie komme ich je wieder aus Vietnam heraus?

17 Tage On The Road Again. 17 Tage mit meinem TravelBuddy Hoan auf dem Bike. 17 Tage, die sich wie eine halbe Ewigkeit anfühlten. Wir haben zusammen eine kleine "Weltreise" durch Vietnam unternommen. Und die stellte alles Bisherige meiner gewöhnlichen Reiseroutinen in den Schatten. Was wohl an der einzigartigen Persönlichkeit von Hoan liegt und dem kulturell-regionalen Tiefgang, den ich mit ihm unternommen habe.
Ein Land, das so ausgeprägt verschiedene Gesichtszüge aufweist und doch wesentlich durch seine jüngere Geschichte stark zusammengeschweißt wurde. Der Vietnamkrieg, der das Land in seiner Entwicklung um 30 Jahre zurückgeworfen hatte, und doch stieg es wie Phönix aus den Ascheresten wieder auf und beweist heute mit seinen boomenden Großstädten, daß sich der kleine "Drache" zu Größerem aufschwingt.
Doch abseits von Saigon, Hanoi und den ausgelatscht-durchkommerzialisierten Touristenpfaden, da schlummert noch immer ein traditionelleres, unverbrauchtes Vietnam mit einem ganz anderen, entschleunigt-vereinfachten Lebensrhythmus. Da strahlen die so impressiven Gesichter der Land- und Bergbevölkerung eine Großzügigkeit und Gelassenheit aus, die sofort "ansteckend" wirken und zugleich immensen Respekt abverlangen. Sind ihre Lebensumstände doch zu großen Teilen geprägt von dem, was der Natur in harter körperlicher Arbeit abgerungen werden kann.
 Hoan und ich haben nun gewaltige 3860km gemeinsam auf seiner Honda bestritten. Eine monumentale Strecke, die uns sowohl in abgeschiedenste Ecken als auch auf so manchen verpesteten, verkehrslastigen Highway führte. Wir folgten in vielen Teilen dem ehemaligen Ho-Chi-Minh-Weg, schlängelten uns durch das "urwaldige" Central Highland, gingen auf Geschichtskurs in der einst heftig umkämpft-bombardierten DMZ (Demilitarisierte Zone), durchkreuzten den mit gigantischen Höhlensystemen und Karstbergen versehenen PhongNha-Nationalpark, düsten durch flache Reisfeldlandschaften bis wir letztlich "vor den Toren von Hanoi" den Abzweig in die einmalige Berg- und TalSzenerie des Nordens nahmen. Dieses Gebiet wird noch heute von zahllosen Minoritäten und Hilltribe-Menschen bewohnt, die alle ihre ganz spezifischen Trachten, Symbole und Gewohnheiten haben. Die H'mong-Gruppe unter ihnen hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Einst in den DeltaTälern Chinas heimisch, kamen sie dort in Konflikt mit den herrschenden Mächten, wurden gewaltsam vertrieben und emigrierten schließlich in die nördlichen Regionen Vietnams. Aus Selbstschutzgründen flüchteten sie in die hochgelegenen Bergplateau-Lagen und etablierten die ausgefeilte Technik der eindrucksvollen Reisterrassen, die noch heute wie ein majestätisches Kunstwerk die Talhänge "verzieren".
 - Die komplette Tagesstrecke durch die Mu Cang Chai-Region war eines meiner SpektakulärHighlights des gesamten Trips. Zusammen mit der irrealen Märchenwelt der Paradise Cave (PhongNha) habe ich beide So-Noch-Nie-Gesehenen-Naturwunder wie in einem Drogenrausch erlebt. Da wurde GoldFish ganz klein und staunte mit weit aufgerissenen Augen angesichts der Magie dieser SensationsSchauspiele. -
Auf dem Motorrad durch dieses ausgedehnte MosaikPanoramaGeflecht unterwegs zu sein, bedeutet: Ein direktes, unmittelbares Erleben. Ohne Filter und Komfortsitz. Der ganze Körper ist mitten im Geschehen. Ob nun Kurvenmarathon, erbarmungslose Hitze, LKW-Drecksschleuder vor der Nase oder ausufernder Platzregen. Ob nun bleiern schwer oder erfrischend leicht: Du bist hautnah dabei. Und wenn es bereits beim morgendlichen Aufschwingen auf den Sitz aus allen verfügbaren HimmelsGießkannen schüttet, dann gibt es halt kein alternatives Auswahlmenü. Du mußt nehmen, was du eben bekommst. Regenmontur an, Augen zu und durch! Hoan wird mich schon sicher die Serpentinen hinunterbringen. Selbst den NebelWahnsinn von Sin Ho und Sa Pa mit maximaler Sichtweite von 5 Metern meistern wir mit ausgeprägtem Abenteuer-Feeling. Doch selbst nach finalen 25 Tagen auf dem Bike schmerzt mein Hintern immer noch jeden verdammten Tag! Und die langen Office-Abende am Laptop fordern letztendlich ihren Tribut: Da helfen manchmal nur Doppelpackungen von Koffein oder ich "döse" halt leicht auf dem Rücksitz vor mich hin. Darf es mir ja erlauben, muß mich nicht auf die "Stupid Driver!" auf der Straße konzentrieren.
Mein Gehirn ist randvoll gepackt mit dem täglichen ImpressionsBilderSpektakel, die restliche geistige Festplatte scheint komplett gelöscht. Kein blödsinniger Ballast und GedankenVerrenkungsRamsch versperrt meinen Verstand. Genauso geradlinig wie die Straße, die wir befahren, genauso "befreit" richtet sich mein Blick nach vorn. Kein Gestern noch Morgen blockiert das Empfinden. Ich habe es noch nie so genossen, unterwegs zu sein! Wie Hoan beim Besuch der Paco-Frau zu Beginn von Tour Zwei meinte: "Without fire there is no life!" - Das kann man auch metaphorisch verstehen: Ohne Enthusiasmus, dem Blick hinter die Kulissen und Neugier keine ÜberraschungsGeschenke, kein lebendiger Schauer, kein Seelenbalsam.
Hoan, du hattest hundertprozentig recht: "Never try, never know!" - Und es wird die Zeit kommen, da wir wieder zusammen in einer Kaffee-"Spelunke" sitzen und du mir die nächste HistoryLesson verpassen willst!:-) 


                                    Cảm ơn bạn, my "crazie driver"! See you next time!

Tour-Details: 10.-26. April 2017 - zurückgelegte Kilometer: 2610 - längste Tagesstrecke: 245km - besuchte Minoritäten: 5 - GoldFish im Waschbeutel: 2,5 Mal - Homestay: 1x Hoans Heimatdorf, 1x White Thai - "WildAnimal"-Sichtungen: 1 verrücktes Schlangenabenteuer auf der Straße von A Luoi, 1 dauerjaulender Hundewelpe, 2 tote Ratten über der Feuerstelle - GoldFish goes "Underground": 2 Mal (Vinh Moc/Dien Bien Phu) - gesichtete Bombenkrater: 20 - GoldFish umzingelt vom "Kindergarten": 2 Mal (Schulbesuch/KlassenfotoStürmung) - Auslaufdisaster im Sack: 3 (darunter der unwiederbringliche "Schneckenschleim") - Temperaturdifferenz: von gefühlten 5 bis 40 Grad - GoldFishs "VietnamOutfit":
Strecken-Details: Hoi An - A Luoi - Khe Sanh - DMZ - Cua Tung Beach - Vinh Moc - Phong Nha - Huong Khe - HoChiMinh-Heimatdorf - Tan Ky - Nghia Dan - Phat Diem - Hoans Heimatdorf/Nghia Hung - Ninh Binh - Tam Coc - Mai Chau - Moc Chau - Son La - Dien Bien Phu - Sin Ho - Lai Chau - Sa Pa - Mu Cang Chai - Nghia Lo - Viet Tri - Ha Noi

Montag, 10. April 2017

Abenteuer-ÜberraschungsBox die Zweite!

Ich verlasse nun heute meine Oase der letzten Tage. In Hoi An habe ich es wirklich geschafft, mich komplett zu entspannen und neue Energie zu tanken. Trotz des historischen "Disneyland"-Charakters und der überbordernden "Romantik" in der Luft (Sagt hier einer nochmal, es gäbe kein Venedig in Vietnam!)...
Es wird Zeit, mich wieder auf den Rücksitz zu schwingen! Zeit, neue Überraschungskisten und Schlupflöcher auszugraben! Zeit, dem Fahrtwind wieder meine Hand entgegenzustrecken und einzutauchen ins Kleine-Große!
Kann es kaum erwarten, bis mich Hoan gleich mit seinem Bike abholt und wir zusammen einfach losdüsen! - Wann war ich das letzte Mal in so vorfreudiger Erregung und gleichzeitig mit gelassener Sicherheit unterwegs? ...
Wie hat Charles Bowden gesagt? "Never deny desire. Not once."

 

Freitag, 7. April 2017

"Are you ready?" - Expedition in ein unverwaschenes, beseeltes Vietnam.

Er hat mir zu Beginn versichert: "Einmal Motorrad, niemehr Bus!" Und ja! Ich bin definitiv abhängig geworden! Süchtig nach dieser ganz speziellen Art, das Land zu bereisen, zu spüren und aufzusaugen. Er hat mir auf seinen zwei Rädern eine Seite von Vietnam gezeigt, die so pur, so lebendig, so urtümlich und einzigartig ist, daß ich das Gefühl hatte, einen Einblick in die mannigfaltig sprudelnde Seele dieses Landes zu bekommen.
Keinen Tag mit ihm habe ich bereut. Und jeder war eine leuchtende Überraschungsbox und Abenteuerkiste in einem! Denn ich habe mich darauf eingelassen, eben keinen Plan zu haben. Nichts im Vorraus zu wissen. Einfach aufzusitzen, "I am ready!" zu brüllen und mit Hoan loszubrausen. Oh Mann! Wie ich meinen "Crazie Driver" vermisse! Er war der beste Travel-Buddy und sicherste Fahrer, den ich aufstöbern konnte! - Eigentlich hat er mich ja gefunden, nicht andersherum. - Ein aufrichtiger, enthusiastischer, aufmerksamer und verdammt lustiger Typ, der wie ein wandelndes Buch alles, aber auch wirklich alles wußte. Der leidenschaftlich vom für Vietnam so desaströsen Krieg erzählt hat. Der die besten Schleichwege und unberührtesten, ländlichen Strecken gefunden hat. Der mit spontanen Stops entlang der Straße und Einfach-Anquatschen der Leute mir Türen und Einblicke in das Alltagsleben er-öffnete, die mir sonst verschlossen geblieben wären. Wir bewältigten zusammen die ZickZackGemetzel-Kurven des Zentralen Hochlandes, bestaunten sichtbar-unsichtbare RegenwaldDickichte, düsten am kräftigen Grün der Reisfelder vorbei und besuchten zahlreiche Minoritäten-Dörfer. Das primitiv-ursprüngliche Leben steht dort bereits auf der Kippe, denn die Moderne kämpft sich auch hier immer weiter vorwärts. Die junge Generation zieht den einfachen HolzBastBarracken und handgewebten Trachten lieber Steinhäuser und westliche Kleidung vor. Eine hart erarbeitete, wenig ertragreiche Existenz ist es nichtsdestotrotz. Aber wahrscheinlich liegt für mich genau in dieser "Rückständigkeit" und unbedarften Schlichtheit ihrer Lebensumstände eine faszinierende existenzielle Magie, die mich im Innersten bewegt, aufrüttelt, ausfüllt.
Eindringlich und "dramatisch" war auch die wachsende Verbindung zwischen Hoan und mir. So durchlebten wir mitten in der Tour eine tragische Wende, die nicht nur Hoan schockte, sondern auch mich mit tiefem Mitgefühl und Verständnis erfüllte. Der plötzliche Tod eines langjährigen Freundes ist immer desaströs. Wenn dann aber auch noch gemeinsame Pläne für eine berufliche Zusammenarbeit geschmiedet wurden, kommt das einem TotalKollaps gleich. Tag Vier war also ein kollektiver Trauertag, der uns beide dennoch, oder gerade deswegen, noch mehr verbunden hat.
Vereint haben wir genauso am siebten Tag unsere Vegetarier-Allianz bestritten, denn für Hoan als Buddhisten steht zweimal im Monat VeggieDay auf dem Programm. Nicht nur an diesem Abend hat er mich in die lokalste aller lokalen Essenshöhlen geschleppt (inklusive fermentiertem "Tofukäse"), sondern zu jeder Mahlzeit gab es immer wieder herrliche "BestellDiskurse" über mehrere Minuten hinweg, die augenblicklich in einem vollbeladenen Tisch endeten. Meist einfach, aber lecker. Manchmal gigantisch (Stichwort: Banh Xéo-Essen in Kon Tum!).
Unvergesslich: Die einmaligen Szenen der Straße. Schulkinder, die in der Mittagspause auf ihren Rädern um die Wette nach Hause hechten. Ein torkelndes Alkoholopfer am frühen Vormittag, im Vorbeifahren mit den Augen "gestreift". Ein Anderer hat sich bereits komplett hingelegt, auf der Straße wohlbemerkt. Hunde und Hühner, die auch im letzten Dorf noch wie gebannt mitten auf der Fahrbahn stehen bleiben und Hoan zu einer Hup- und Bremsorgie inklusive seinem typischen "Crazy Dog/Chicken!"-Ausruf zwingen. Die ausgebrannten Buswracks entlang des Ho Chi Minh-Weges, die scheinbar einfach vergessen wurden. Die Kinder, die beim Passieren der kleinen Hüttenansammlung plötzlich "verrückt spielen" und uns enthusiastisch herüberwinken. Der GoldFish-Verkäufer auf seinem Moped, der vor uns zum nächsten Markt rumpelt. - Ich habe sie alle gesehen, für Sekundenbruchteile flimmerten sie in mein Hirn hinein, erzeugten dort automatische Synapsenreaktionen, die ein DauerSchmunzeln in mein Gesicht zauberten, und doch waren diese Szenen mit dem nächsten Blinzeln bereits vorbei. Aber Zeit spielt bei dieser Art von Unterwegssein absolut keine Rolle. Bereits an Tag Eins kam mir jegliches Gefühl für Uhrzeiten und Verortung abhanden. Ich begann, mich mehr und mehr auf meinem Rücksitz fallen zu lassen, streckte entspannt die Hand in den kühlenden Fahrtwind aus, saugte gierig den warmen, erdig-holzigen Duft der rötlichen Erde ein, spürte die Regentropfen auf meiner Haut. Ein Gefühl von großzügiger Weite und Zwanglosigkeit. Eine geradlinige Freiheit der Sinne und Gedanken, die sich mit der reduzierten Bestimmtheit und geerdeten Landverbundenheit der Bewohner zu einem enthemmten "Reise-Orgasmus" ausweiteten.

Jeden Abend habe ich den Staub der Piste vom Gesicht gespült. Meinem Zimmerhaustier, dem Gecko, ein beschwingtes "Gute Nacht!" zugerufen und mich in einem wohligen Erschöpfungszustand in die Decke gekrümelt. Nur bei unserem Homestay-Aufenthalt bei einem von Hoans Freunden, da war die wohlverdiente Feierabendruhe dahin! Ein kompletter, maximalst-schreiender Kindergarten tobte um mich herum. Das Familienessen weitete sich zu einem leichten Trinkgelage aus (GoldFish sollte/mußte mitmachen!), gefolgt von einem Ausflug in die von Vietnamesen so geliebte, leidenschaftlich zelebrierte Karaoke-Welt! Oh Hah! Das war dann doch ein Hauch zuviel an "Aufregung" und "Zumutung"! - Die vietnamesische Gastfreundschaft in allen Ehren, doch sie meinen es oft zu gut mit dir. In ihrer Direktheit und eindringlichen Herzensgüte bestürmen sie deine Nerven und Auffassungsgabe. Leichte Überforderung stieg in mir an diesem Abend auf. Dennoch: Ich habe seelenruhig neben der Ehefrau im Familienbett geschlummert, haha!
Nach acht vollgepackten, bildgewaltigen, massivst-eindringlichen Tagen kam das, was am Ende einer Reise immer folgt: Der Abschied. Es ist der 29. März. Hoan liefert mich in Da Nang bei meinem Hostel ab. Hastiges Abladen meiner Gepäcksäcke, ein kurzes "GoodBye!" und dann biegt er bereits um die nächste Ecke. Ist so unglaublich plötzlich aus meinem Blickfeld entschwunden. Ich bin nun zum mittelklassigen Fußgänger zurückdegradiert worden. Benommen stehe ich am Straßenrand. Komme mir vor wie ein Kind, das man ausgesetzt und einfach vergessen hat!
Hoan! Ich hatte solches verdammtes Glück, dir in Da Lat zufällig begegnet zu sein! Ich danke dir für dieses unvergessliche Once-In-A-Lifetime-Erlebnis, das ich mit dir zusammen auf deinem Bike erfahren durfte! Man sagt ja: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Ich freue mich bereits auf unser Irgendwann-Wiedersehen. Es kommt. Bestimmt!
Tour-Details: 22.-29. März 2017 - zurückgelegte Kilometer: 1250 - überfahrene Hunde/Hühner: 0 - besuchte Minoritäten: 6 - "Crazy"-Ausrufe von Hoan: 1000? - besuchte Friedhöfe: 3 - GoldFish im Waschbeutelkostüm: 2 Mal - Verletzungen: 1 Kinderschramme, leichter Sonnenbrand, 3 Mückenstiche - Zimmerhaustiere: 2 Mal Wandgeckos, 1 Mal eingebildete Maus (die sich dann als das Quietschen meiner Schuhe herausstellte!) - abbruchreif-montierte Waschbecken im Hotel: 4 - Energiebilanz: +300% -0%
Strecken-Details: Da Lat - Lak - Buon Ma Thuot - Ia Grai - Kon Tum - Kham Duc - A Luoi - Hue - Da Nang

Donnerstag, 30. März 2017

Rückblick Dalat: Der erschöpfte GoldFish und ein unerwartetes Geschenk!

Kaum aus meinem "Exklusiv"-Bus gestiegen, schon hing ich erbarmungslos in den Seilen meines ErkältungsElends! Der Geist schlapp und duselig. Der Körper ein einziges Heiß-Kalt-Durcheinander. Schniefnasenrotz und Schlafmangel inklusive. Ich war also richtig im Arsch. Überlebte die ersten Tage nur dank Ibuprofen und reichlich starkem Ingwertee. So ein verkranktes Tief raubt mir jedesmal, vorallem auf Reisen, wahnsinnig viel Energie, deshalb beschränkten sich meine Kreisel in und um Dalat auch eher auf wenige Ausläufer. Fühlte mich teilweise verloren, war gemäßigt-muffelig angesichts meiner Schwäche und des AbwartenMüssens und sehnte mich auf kindliche Weise nach einer Umarmung. Nach ein bißchen AnlehnenDürfen und Nähe.
Das Universum muß wohl die Hilflosigkeit meiner lädierten Seele vernommen haben. Anders ist es nicht zu erklären, warum ich durch puren Zufall einen sehr speziellen Menschen kennenlernen durfte. Ich habe die steilen Stufen zu ihrem kleinen, unglaublich liebevoll dekorierten Shop erklommen und landete in einem wahren HeilsRefugium. Sie hat mir etwas gegeben, das man weder kaufen noch verlangen kann! Feinfühlig und respektvoll hat sie mich in ihrem Laden willkommen geheißen. Gab mir das Gefühl von Geborgenheit und instinktiver Vertrautheit. Eine kraftvolle Wärme und innere Ruhe ging von ihr aus, selbst wenn sie an ihrer Nähmaschine arbeitete und ich am Panoramafenster meinen schwerfälligen Gedanken nachging. Denn das Entscheidende war: Ich war nicht allein!
Gleich bei unserer ersten Begegnung hat sie mich in den Arm genommen (Was für eine Hellseherin!:-) und mir zu verstehen gegeben, daß ich jederzeit bei ihr vorbeischauen kann. Und so kam ich wieder. Es wurde am Ende zum Ritual und auch ein wenig zur Seelentherapie. Wir saßen auf ihren Minihockern, tranken Kräuter- oder Blütentee, redeten oder schwiegen zusammen, selbst wenn es draußen Aprilwetter-mäßig schüttete. Wir sprachen über die Männer:-), Familie, Brüche zwischen Tradition und Moderne, Kunst, Schönheit und was es heißt, ein "Alien in Vietnam" zu sein. Und: Sie ist zu einer Art "Seelenschwester" geworden. Eigenwillig, stark, unabhängig, kreativ, intuitiv und einfühlsam. Sie strahlt vor intensiver Lebensfreude und herzenswarmer Schönheit. Das ist bewundernswert. Und einzigartig.
Thu, ich danke dir für das Licht und die Kraft, die du mir geschenkt hast. Du warst für mich der Leuchturm in Dalat!

Samstag, 25. März 2017

Off The Beaten Track: Wenn UnterwegsSein zur Befreiung wird!

Nach dem Motto: Nicht dumm rumstehen! Aufsitzen und Los!
Bereite mir gerade das erinnerungsreichste und aufregendste Geburtstagsgeschenk meines Lebens!
Jegliches Zeitgefühl ist verschwunden. Pures Aufsaugen der Seele dieses Landes.
Vietnam duftet, schwitzt, schuftet, blüht, verdorrt, brutzelt und singt! Es erfindet sich jeden Tag neu, strahlt und fordert, überrascht und schmerzt.
Meine Sinne eifern mit dem Fahrtwind und Tempo 80 um die Wette. In mein Gesicht hat sich ein Dauergrinsen einzementiert. Der Körper sinkt abends in einem Zustand erschöpfter Zufriedenheit aufs Bett.
Heute ist Halbzeit. Auf daß die nächsten vier Tage den GoldFish der Freiheit noch ein Stück näher bringen werden...

Dienstag, 21. März 2017

Mekong Delta für Kurzentschlossene.


Ich hatte gelangweiltes Bootsgedümpel, überbordernde Hitze und viel totes Nichts erwartet. Mein indisches Backwater-Trauma halt. Was mich dann doch kurzentschlossen auf diesen 4-Tages-Trip schickte, war meine noch ungezügelte Neugier gepaart mit der puren Hoffnung, es möge mich Durch-Und-Durch-Pessimistin einfach komplett überraschen. Und das hat es dann auch.
Mit seinen windschiefen Pfahlhäusern, wuseligen Märkten zu Land und zu Wasser, dem permanenten Kanaltreiben und einem schlichten, ursprünglichen Lebensstil strotzt diese bevölkerungsreiche Region nur so vor gedrängter Vitalität. Eine kunterbunt leuchtende Dynamik und immense Fruchtbarkeit prägt die wasserdurchfluteten Ausläufer des gewaltigen Mekongs, der von seinem Ursprung im tibetischen Hochland bis hierher mehr als 4300km hinter sich hat.
Ich habe sowohl die hart-verhandelte private als auch die in fünf Minuten gebuchte Touri-Variante ausprobiert. Und keine bereut. Bin zum absoluten NudelsuppenFreak geworden! Und durfte in My Tho eine fast unverhoffte "Hellohello!"-Winkewinke-Freundlichkeit erleben, die ich so nicht erwartet hatte, nach all der Zurückgenommenheit in Saigon. Und: Ich erhielt aus heiterem Himmel meine erste wagemutige MopedFahrstunde, die in Sekundenschnelle aus einem noch leicht befangenen GoldFish einen befreit Strahlenden gezaubert hat! Ich bin definitiv Bike-infiziert nun.
Mit einem unterbewußten Gefühl von Nochmal-Wiederkommen-Müssen bestieg ich nach der etwas gehasteten Kurzvisite den Bus nach Dalat. Die mich schlagartig dahinraffende Erkältung war da bereits im Anmarsch...
Für all die Bildersüchtig-Kurzentschlossenen, hier der direkte Weg zu Vietnam On The Run . Enjoy!

Samstag, 11. März 2017

Verschwende dich ans Leben!

Gleich einem Getriebenen, rastlos, hungrig, zuhause in den Zwischenräumen und provisorischen Zuständen, taumle ich durch dieses Ungetüm von Stadt. Schlängel mich elegant wie eine Raubkatze durch den alltäglich wütenden MopedZirkus, gerate durch reinen Zufall in abgeschlissene Ecken, wo das pure Leben haust. Da, wo das Chaos ungezügelt regiert. Da, wo die Fassade der geleckten Moderne nicht standhält. Stolpere ins wuselige Elementare, einem mysteriösen Sog gleich treibt es mich immer weiter voran. Ein Gefühl der unbedingten Befreiung, wenn ich dem Strom der verblödeten Touristen entkommen kann! Hier wie dort sehen sie doch alle gleich aus. Hier wie dort die immer wiederkehrende oberflächliche, oft auch arrogant-ignorante Einstellung. Der Habitus des Geld schwingenden, weißen Mannes mit Socken in Sandalen, der sich schon zur Mittagszeit volllaufen läßt und bei der Massage nach einem "extra-jungen" Mädchen verlangt! - Beschämend. Zum Davonlaufen!
Nach fast einer Woche des weiträumigen Kartenstudiums und der ungezählten Zickzack-Marathonläufe über den glühenden Asphalt, dem geflissentlichen Abhaken der ersten Anhaltspunkte scheint sich das umtriebige Universum "Vietnam" ganz langsam in mein Unterbewußtsein zu schleichen. Ich beginne, mich zu öffnen. Für die vibrierenden Geheimnisse der Straße: abgeschlissene Müllsammler und -sammlerinnen, die mit den bloßen Händen in den Säcken wühlen, dahindösende "Securitymänner" auf ihren Plastikstühlchen, die den Ernstfall wahrscheinlich einfach verschlafen würden, dauerqualmende MopedParkwächter (Eine weitere absurde JobBeschaffungsmaßnahme in einem Land mit mehr als 92 Mio. Einwohnern!), die leicht billig gekleideten Mädchen der BeautySpas, die tagein, tagaus im BackpackerDistrict auf gutzahlende Kunden (und auch "mehr"?) warten. Wagemutig in ihren Stöckelschuhen dahintrippelnde Bankangestellte, die sich in der Mittagspause zum JuiceShop um die Ecke chauffieren lassen, dabei dem danebenlungernden Losverkäufer (Sie scheinen mir hier die wirklich "Abgehängten" zu sein.) gnädiger Weise fünf Stück abkaufen. Der Aufpasser auf dem eingezäunten Schulhof, der die rote Halstücher tragende Rasselbande mit der Trillerpfeife zur Ordnung ruft. Die schrullige Alte auf ihrem Fahrrad, die beherzt in die Pedale tritt, dabei von einem Porsche-"Schiff" überholt wird (Oh ja! Die Vietnamesen lieben deutsche Autos! Je "bulliger", glänzender, desto besser! - Auch hier wird der erwirtschaftete Status unbedingt nach außen getragen.). Hippe, auf westlichen Style gebürstete Cafés, in denen lautstarke, nervigste Popmusik hämmert, gleich neben der zusammengekleisterten glanzlosen Straßenküche, die ihren Kunden meist genau nur ein Gericht serviert, dafür absolut frisch in diesem Moment zubereitet.
Saigon lebt von diesen starken Kontrasten. Ein permanent leuchtendes Versprechen am Horizont. Alles ist in Bewegung. Flüchtig. Direkt. Pulsierend. Unmittelbar. Genau Jetzt! - So, wie auch ich nur bin. Die schwelende Mittagshitze von gestern, die rätselhaften schlaflosen Nächte, die ich nicht abstreifen kann, der jämmerliche Beklauungsversuch bei der Massage, mein entnervtes "Rumpöbeln", wenn mir meine periodische Launenhaftigkeit im Nacken sitzt .... das ist alles VergangenheitsAbfall. Lieber lasse ich mich vom ungeduldigen, strahlenden Augenblick an die Hand nehmen. Gammle wie ein Clochard am Straßenrand, beobachte verstört-lachend die Restaurantszene, als eine Frau ihren augenscheinlichen Ehemann füttert (Nur um kurz darauf festzustellen, daß es sich hierbei um ihren leicht fetten Sohn handelt!). Schlürfe mit Vorliebe den vietnamesischen Eiskaffee, während sich vor meinen Augen das lustvolle Treiben ausbreitet und die Zweiräder mit gefühlten 80 Sachen vorbeibrausen. Lerne Schritt für Schritt die kleinen vegetarischen Highlights kennen. Die unaufgeregte, höflich-distanzierte Art der Menschen hier. Ihre gastfreundschaftliche Geste, wenn sie einem ungefragt ein Glas eisgekühlten Grüntee servieren. Amüsiere mich köstlichst über den Typen im BeautySalon, wie er da so liegt mit dubioser Gesichtsmaske und haarsträubenden "FengShui"-Nadeln in der Haut! Oder als ich mich mal wieder pennerhaft einfach auf den Boden setzen will, da kommt so eine vietnamesische Lady mit Höckerchen angerauscht und sie besteht partout darauf, daß mein Arsch eben nicht auf die Straße gehört! - Kleinteiligste Momentaufnahmen, die es schaffen, mir ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Dafür bin ich unterwegs. Danach begebe ich mich immer und immer wieder auf die Suche. Kann für kurze Zeit meine dauerwütende Rastlosigkeit und Verlorenheit in dieser Welt vergessen machen, weil ich genau jetzt, in diesem Augenblick hier sein mußte!


Mittwoch, 1. März 2017

Xin chào Vietnam! - Oder: Der GoldFish übt sich im Ankommen!

So, da haben wir den Salat! Sprichwörtlich, siehe obiges Bild! Auch wenn der Lotussalat mächtig lecker war, dagegen meine Ankunft hier in HCMC eher wohl unter die Schlafwandel-Kategorie gezählt werden muß. Noch nie habe ich, selbst nach dem gestrig-heutigen 17!-Stunden-Schlaf, in so einem schlappen Dämmerzustand gehangen wie hier! Das muß was heißen, nach all den durchgemachten ChaosLandungen, die bereits hinter mir liegen. Zwar kann ich mit blindem Auge behaupten: Saigon ist nicht Indien!, haha, dennoch habe ich wohl zum ersten Mal in meiner VielfliegerKarriere sowas wie nen Jetlag erlebt. - Nun gut, dann legen wir also erst einmal eine kleine Verschnaufpause ein und tasten uns vorsichtig in den vietnamesischen Alltag hinein. Das heißt, wir erkunden schlafwandelnd die naheliegendste Umgebung, tauchen ein in das lärmtötende Meer der MopedArmada, schlüpfen ruhigen Gemüts durch die halsbrecherischen Verkehrsströme, schlappen die zugeparkten, mit lümmelnden SecurityLeuten besetzten, knapp bemessenen "Gehwege" entlang, atmen Feinstaub für die nächsten zehn Jahre ein und temperieren heftigst in diesem klebrigen KrawallTreibhaus. Nichts, was den GoldFish jetzt zusammenklappen lassen würde. Das passiert alles eher so nebenbei, ohne das die Wimper zuckt. Wie gesagt, meine Varanasi-Landung war da schon um Einiges herausfordernder! Eher wohl kamen Erinnerungen zurück an das Bangkok von vor sieben Jahren: Auch da wuselte, wimmelte, klebte und lärmte es ohne Ende. Doch irgendwie erscheint mir HCMC viel zu "geleckt" und modernisiert, als daß es dem abgeschlissenen, spröden, zusammengekleisterten Charme der thailändischen Hauptstadt nahe kommen würde. Zudem regieren hier genauso Kapital und Konsum; von kommunistischer "Rückständigkeit" keine Spur. Was jedoch auffällig ist: Man wird hier mehr als nur in Ruhe gelassen. Keiner, der einen LaberRhabarber anquatscht und auf TeufelKommRaus an einem klebt ohne Anstalten zum Verschwinden zu machen. Keiner, der einen bis auf die Unterwäsche mit seinen Augen auszuziehen versucht und dabei sex- oder geldgeil die Dollars blinken sieht. Nein, vornehme Zurückhaltung, ja eine scheue Bedachtsamkeit wird einem entgegengebracht. - Kann ich nur vollends begrüßen. Ist aber andererseits auch schon wieder eine Herausforderung, wenn ich dann mit meiner Kamera auf "Menschenjagd" gehen werde.
Wir werden ja sehen. Bis dahin sind bereits mein erster KomplettRegenguß, mein erstes trinkbares vietnamesisches Bier und meine erste beschwingte Food-Entdeckung hier in Ho Chi Minh City abgehakt. Auf daß der Rumtreiber GoldFish wieder zu seinem üblichen hungrigen Erlebnisdrang zurückfinden wird.