Donnerstag, 19. Juli 2012

Klappe Zu-Affe Tot. PART 1.

Das Kapitel Amsterdam.
- Bevor das Ganze noch im trüben Dunst der Zeitblase versandet. -
Verspüre jedoch keine allzu große Lust, irgendwie persönlich "Stellung" dazu zu nehmen.
"...und wenn ich [...] nichts aussage, so weil ich nichts zu sagen habe." [ F. Pessoa ]

Ausweglos.Sprachlos.So ein bißchn wie ein dauergrinsendes Erdmännchen...
Aber wenigstens dann doch den unvollkommenen Schnipseln meiner Streifzüge eine Daseinsberechtigung abringen.
Fetzen kleinster WahrnehmungsAtome.
Bite Marks in Paper.
Let's go...

G.fish's inoffizieller City-Guide Amsterdam.

Die "institutionellen" Stationen:

Ein "KörperKunstwerk" das ich mir sofort ins Wohnzimmer stellen würde!
Gunther von Hagens' Body Worlds.
[ And the Story of the Heart. ]


Ich weiß. Eigentlich habe ich daaamals, als dieser ganze Medien-Irrsinn um seine Arbeit gerade losging, mir (und anderen) geschworen: ICH mach da nicht mit! Ich schau mir dieses so offensichtliche Spektakel der plumpen Provokationen nicht an! Ein simples Spiel mit dem Schock. Exzessive Zurschaustellung von bis zur völligen Abstraktion verzerrter "Körper".
Augenscheinliche WirkungsHypothese: Der seduktive Reiz (des Sehens) einer identifikationslosen Inszenierung des Artifiziellen verflüchtigt sich ins Harmlos-Oberflächliche.
Bei näherem Hinsehen lassen sich wohl auch Anleihen medienwissenschaftlicher Theorien, insbesondere der der aktiven/passiven AngstLust-Rezeption (wie bei Stigleggers TerrorKino) wiederfinden: Im - auf sich selbst projizierten - Schrecken der KÖRPERZERSTÖRUNG (Bei BodyWorlds in einer extremen Ausführung: Abgesehen von der "Enthäutung", etwa wenn ganze Muskelpartien gar zu "Engelsflügeln" mutieren.) vollzieht sich eine Konfrontation mit den eigenen Ängsten. Diese Perspektive entspricht dem "weiblichen Blick" [Bestürzung], einer masochistischen Unterwerfung bis hin zu simulierter Leiderfahrung und Selbstekel.
Der taxierende, sadistisch-"männliche" Blick [Ekstase] dagegen begreift den inszenierten ANGRIFF auf den Körper aus einer voyeuristischen Perspektive der Souveränität heraus: Als außenstehender Betrachter erlebt "er" eine symbolisch-"virtuelle Verfügungsgewalt über den fremden [...den] anderen Körper" [ Stiglegger ].
[ Was meiner persönlichen Perspektive entspricht? Kann und will ich hier nicht genau sagen. ]
"TORTURE PORN" - Was dem Horrorfilmgenre in den letzten Jahren in fast inflationärer Weise angehangen wurde, das funktioniert auch bei BodyWorlds: Die genüßliche Zelebrierung der völligen Destruktion des natürlichen, ("vornehmlich weiblichen" - Das trifft bei BodyWorlds weniger zu, da sich beide Geschlechter zu fast gleichen Teilen ausgestellt sehen.) Körpers verführt den Zuschauer "zu einer 'obszönen' Feier der Neugier auf das Unzeigbare". Eine Attacke auf die "Intimität des versehrbaren Körpers". [ Dessen hyperreal-offengelegte Detail-Präsenz ermöglicht es, - im Kontext einer zunehmend virtualisierten, sich selbst entfremdeten Gesellschaft - KÖRPERLICHKEIT in die eigene Erlebbarkeit zurückzuholen. ]
The Story of the Heart:BlutRot-HyperSensibel-Verbraucht.
Der menschliche, tote Leib - Letztendlich nur ein profanes Objekt zur Befriedigung des sensationslüsternen Blicks auf das Noch-Unbekannte? Ein bis auf die Knochen und Nervenbahnen entblößtes Ding, das in der Drastik seiner Re-Präsentation lediglich als Schablone morbider KörperPhantasien dient?
Ganz klar: Auch Jahrhunderte nach der erstmalig durchgeführten Sektion eines toten Menschens ist der Blick in das/sein Inneres ein Geheimnis, und damit noch immer ein Faszinosum! Und auch wenn der uns angeborene "Ekel" vor Blut, Gedärmen und schlierig-streng riechenden Körpersubstanzen uns automatisch einen Bogen um jeden Leichnam machen lässt. In einer solch surrealen, weil bizarr unnatürlichen "Show" energetischer, weil scheinbar in der Letzt-Gerade-Eben-Bewegung erstarrter Körper, deren Zurschaustellung über die bloße Nacktheit hinausgeht (da sogar der eigenen Haut entmächtigt) - wie es BodyWorlds nun mal ist - ... da können "wir"*, die Schamerfüllten, die Abscheu-Fühlenden, da können "wir" hinschauen! Bis zum "letzten Tabu". Eben weil der Leichnam zur artifiziellen "Kunstfigur" verklärt wurde, die mittels wissenschaftlichem Anstrich zum bloßen "Lernobjekt" verkommt [ Der "Andere"/das Gezeigte als "Nicht-Selbst" - DistanzierungsStrategie zum "Vertrauten". ]. Offiziell! Denn eigentlich schwingt doch immer auch ein wenig hemmungslose "Schadenfreude" über das eigene Noch-Leben mit: Die ultimative Feier des Betrachter-Subjekts über seine eigene Unversehrtheit einerseits als auch über die zum Voyeurismus verkommene Tragik der bereits Gestorbenen. "DominanzLust" - "banale Selbsterhöhung" [ St. ] angesichts des realen, und doch so grotesk-überhöhten Todes [ Und somit zum Teil jedenfalls ein versucht-sadistischer Beherrschungakt der vorgeführten EndlichkeitsProjektion. ]. 
Nekromantik-Sex.
Der TOD in BodyWorlds - Das ist kein wirklicher Tod! Auf funktionaler Ebene ein "pornographisches" Affektbild, das durch seine Ästhetisierung zum lasziv-vergnüglichen HinsehenMüssen, zur angstfreien Erhebung ÜBER den Tod [ Nach dem Motto: "SO schlimm kann er wohl nicht sein angesichts dieser "LeichenKunst"! ] führt. Kein "Fehler"/"Makel" oder gar "Hindernis" fürs Leben - Nein! Der BodyWorlds-Tod scheint jegliches Ohnmachtsgefühl verloren zu haben. Und reicht zudem als heiteres NachmittagsSpektakel, als EntertainmentFaktor für ein paar Stunden vollkommen aus!
Auf reflexiver Ebene jedoch ... prallt das Lustvoll-Faszinierende der spektakulären Inszenierung auf die unterschwellige Präsenz des Mysteriums Tod, das sich auch dem ausgeklügelsten, verwissenschaftlichten  Ästhetikcharakter einer Gunther von Hagens-Show noch immer entzieht: Der Tod bleibt etwas "Grausam"-Unerklärliches. Da schafft auch keine "LeichenKunst" Abhilfe.

[ Sorry. Dem Medien"Theoretiker" in mir kann ich wohl immer noch nicht Einhalt gebieten. Vielleicht sollte ich es doch noch mal mit einer "Karriere" als wissenschaftlicher Publizist versuchen?? Haha. ]

* Da rede ich aber nicht von mir!!!:-)

Schlußendlich: Habe ich mich die ganze Zeit gefragt, wie diese Körper in ihren teils "schwebenden" Positionen nur halten können ohne ersichtliche Verankerung??!!!
Und: Ich habe genauestens! die einzelnen Schritte der Plastination vermerkt. Kann frau vielleicht irgendwann mal gebrauchen ... wozu auch immer!:-)

SexMuseum Amsterdam.

Da trieb mich eigentlich nur der reine Zufall hinein, doch welche Welten sich mir da offenbarten ... in diesem "Hinterzimmer"Stübchen...huih!!!:-)
Vom "Flagellationskult"*, "Skatologie"** über "Long Dong Silver" (mit einer Penisgröße von sage und schreibe 47cm!!!), den "Katzenjammer Kids" (dem ersten pornographischen ComicStrip aus dem Jahre 1897) bis hin zu den "Fat Mammas", Marylin (Wo war dann eigentlich Pamela?) und diversen urkomisch-"wollüstigen" Accessoires zur privaten Erheiterung: Es wurde dermaßen lauthals GESTÖHNT-GESPRITZT und GERAMMELT um mich herum, dass mir Hören und Sehen verging.
Wie festgeklebt, das Lächeln.
Soviel behaartes, ausgeblichenes "Grauen" auf Fotopapier! [Die 70er: Besonders schlimm!!!:-)]
Und zu all dem leicht in die Jahre gekommenen Sammelsurium aus Errigiertem-Penis-Aschenbecher, klobebrillten Illustrationen und ExhibitionistenMänteln säuselte M.M. ununterbrochenen in ihrem Lasziv-Singsang I wanna be loved by you aus den Boxen....
Na dann...Prost!:-)
AUTSCH!
Hey Babe!
Anleitung zum Dirty Talk.

[Ohne Worte. - Was die schon für Einfälle hatten um 1900!!!]

  









* Auch: Auspeitschung/Geißelung. Einst im Mittelalter als religiöse Selbst-Geißelung zur Buße von Sünden und Laster vollzogen. Später dann die klassisch-pädagogische RohrstockVariante in Klassenzimmern und MilitärAkademien [Sprich: Den Arsch Versohlen!]. Heute ein erotischer Spieltrieb unsrer SM-Brüder (und -Schwestern natürlich), der zwischen Dominanz und "Lustschmerz" (Hach, was für ein schönes Wort!:-)) angesiedelt ist. [Eine abgewandelte Form ist das Spanking - Da gibts "nur" Schläge auf den Allerwertesten!]

...oder hier...:-)
So wie hier...
** Ähhäm...hat auf jedem Fall was mit einer  gewissen Vorliebe für Fäkalien zu tun. Mein Kopf schiebt aber einen kategorischen Riegel vor jegliches Vorstellungsbemühen!

[ Keine Angst. Das artet hier jetzt nicht in einem Lexikon der sexuellen "Andersartigkeiten" aus. Bin doch nicht "Dr. Sommer der Perversionen":-) ]

Fazit: Kann frau mal machen. Garantiert jedenfalls ein kurzweiliges, nachmittäglich eingeschobenes EntertainmentStündchen (Geht natürlich auch morgens, aber "meine" Zeit ists da noch nicht...:-)
Und: Für schlappe vier!!! Piepen geradezu ein spottbilliges Amüsement.

Alex Binnie - Selfportrait.
Amsterdam Tattoo Museum.

Das stand explizit auf meiner To-Do-Liste.
Und erst recht, als ich dieses Plakat zu Gesicht bekam: >>>>>>>>
Erinnerte mich augenblicklichst und mit völlig entgeistertem  KurzHerzstillstand an:
Den "Meister der ScratchComics" - Thomas Ott [oder auch: T.O.T.T.]
Das erste Buch, was mir damals in die Hände fiel - Greetings from Hellville - (Ich glaub, da lief ich noch ziemlich verdüstert im MisanthropenKostüm durch die Gegend!) hat mir eine Tür in ein vollkommen neuartig-andersartiges Universum aufgestossen. Ein Universum - So bizarr. So düster. So abgrundtief bissig. Ein pechschwarzer FilmNoir - eingeritzt in die unbedarfte Seele eines profanen Schabkartons.
Ein wortloser Kosmos aus schäbigen Hinterzimmern, zwielichtigen Seitenstrassen, ausweglosen Sackgassen. - Bevölkert von EwigVerlierern, grinsenden Henkern, kettensägenschwingenden Killern, ungewollten Leuchtgestalten. Von glücklosen Selbstmördern, teuflischen Voodoozauberern, geldsüchtigen Todesfahrern.

Thomas Ott - The Job.
- Eigenhändig Verstümmelte.
Von schrägem Irrsinn Gezeichnete.
Lebensmüde Clowns.
Dubiose Mantelträger unterm Laternenstrahl.
Prophetische Verkünder vom Ende der Welt.
Abgebissene Fingerkuppen.
Verräterische Häschen (in der Grube).
Alice auf Droge.
Der Tod in der Waschmaschine.
"Pornographisch" maskierte LuchaLibre-Kämpfer wie aus einem schlechten B-Movie. -


Es ist ein KuriositätenKabinett der Gescheiterten. Der Getriebenen. Der Geschundenen.
Ein schauriges Panoptikum der SchreckGesichter.
Der mimiklosen, verhärmten Gesichter.
Der augenlosen Gesichter.
Die jederzeit kippen könnten. Ertrinken könnten.
In ihren eigenen Cauchemars macabres - Albträume der Nacht: Die fabriziert Ott ein jedes Mal, wenn er  "Licht ins Schwarze zeichnet". In filigraner Virtuosität ringt er der tiefdunklen Oberfläche seine SchattenGeschichten ab.

Sein unverkennbarer Stil: Dynamisch. Kontrastreich. Perspektivisch-verzerrt, als würde man durchs Schlüsselloch auf die andere Seite blicken.
Das Spiel mit Silhouetten, Gegenlicht, expressionistischen Schattenläufen.
Geradezu wie ein "filmisches" Storyboard reiht sich ein Tableau ans andere. Dabei eine narrative Dichte bewirkend, die einem spiralförmigen Sog in den Abgrund gleicht:




"Vom ersten Bild an weiß man, dass es schiefgehen muss. Und dann wird man unaufhaltsam in die Tiefe gesogen." [ T. Ott ]



[ Wem nach Mee(h)r verlangt: T.O.T.T.'s Parallelwelten. ]

Jaaa, und dann kam die kleine, aber feine Ausstellung von Alex Binnie im Amsterdamer TattooMuseum anläßlich der Veröffentlichung seiner Woodcut Portraits: Ziemlich T.O.T.T.-"lastig" der Stil - Aber vielleicht auch nur, weil mein Auge bereits vom ersten Moment an auf diesen Stil-Blickwinkel eingerastet war. Und doch! ... Durch seinen spezifischen Fokus auf die Gesichter dieser Welt, auf Freunde und Tattoo-Kollegen entsteht ein "buntes" Typen-Kaleidoskop voll strotzender Lebensgeschichten. Ob nun der scheinbar grimmige "Maori-Typ", der HeiligenscheinTräger, das "SanFrancisco-Girl-Next-Door" oder die arabische A'isha-Schönheit - Sie alle blicken neugierig, frech oder gar herausfordernd auf den Betrachter, liefern Futter für die Phantasie, die sich bereits in deren pulsierende Vita einzulesen versucht: "Hey, tell me your story!" - "Dann erzähl ich dir meine!..."

Wood Cut Portraits.

[ Check: Alex Binnie. ]

...
Das Museum selbst:
War überrascht über den knappen, aber vorhandenen Scarification*-Teil der Ausstellung.






Und dann musste ich erst einmal-zweimal hinschauen, bevor mein Hirn endlich  begriff, was es da so unvermutet, zwischen verstaubten Glasvitrinen versteckt, vorgesetzt bekommen hatte: >>>>>>>>
...
Ein abgeschnittener Zeigefinger lungerte doch im abgestandenen Brackwasser so vor sich hin!!!
Ok, Schweinehaut zum Üben - Versteh ich noch!
Unglaublich!
              Und: DAS war erst der Anfang!!!
Was dieses hundsähnliche Monster da zu suchen hatte?












In "zärtlicher" Umarmung...







 





  

Ein einzigstes GruselKabinett.
Und ich habe keine Ahnung, was das da eigentlich verloren hatte!!....
Achja, Tattoos gabs auch. - Aber eher die klassischen "Seemanns-Garnituren" und Knast-Kritzeleien.
Mir wurde jedenfalls zu keiner verwertbaren  Eingebung verholfen.
Aber wenigstens hab ich all die skurrilen GlasTierchen, Totenschädel und VerbrecherVisagen gesehen:-) [ Fehlte nur noch mein geliebter Schrumpfkopf! HeheH!...]



 













 
 
* Von lat. scarificatio: „(das) Ritzen“. Mittels Cutting (Schneiden) oder Branding (Brennen) werden Ziernarben in die Haut eingebracht. Aus traditionellen (ClanZugehörigkeit, Initiationsritus, HeiratsSymbolik) oder subkulturellen (ästhetischer Körperschmuck) Beweggründen heraus.

Das ist nicht Eraserhead.
[ Zum FilmMuseum The Eye lasse ich mich nicht mehr aus. Zu lieblos-simpel - die Architektur (Auch wenn es sich hier eigentlich um einen Neubau!!! handelt.). Keine aktuelle Ausstellung zu meiner Zeit. Und die Präsenzräume lassen frau durch ein paar "Highlight-Szenen" sowohl nationaler als auch internationaler "Klassiker" zappen. - Doch im "Dunkeln ist weder gut Munkeln" noch dass mir irgendein Grund einfallen wollte, warum mich DAS jetzt bitteschön länger als notwendig von meiner schon wartenden Fähre abhalten sollte!!
[Habe letztendlich mehr Zeit im Museums-Shop!! verbracht als in den eigentlichen Gemächern. Egal. Fast hätt ich ja noch das Eraserhead-Plakat mitgenommen!!! - Aber nur fast!:-) ]

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